Presseartikel 2019

Chöre verbindet nicht nur der fast gleiche Name

„tonArt“ und „TonArt“ ergänzen sich bei gemeinsamem Konzert in St. Bonifatius Nassau

Nassau. „tonArt“ traf „TonArt“ – oder war’s vielleicht eher umgekehrt? Zu sehen ist der Unterschied nur mit wachem Blick, zu hören dagegen selbst mit noch so gut geschulten Ohren nicht: Das Chorkonzert, das jüngst in der Bonifatiuskirche in Nassau erklang, bezog einen Teil seines Reizes aus der Tatsache, dass es sich bei den beiden Akteuren (fast) um Namensvetter handelte. Bereits zum zweiten Mal traten der Gastchor TonArt aus Hambuch in der Eifel und das Nassauer Gastgeber-Ensemble tonArt gemeinsam auf – und bewiesen damit vor allem eines: Ob großes T oder kleines t ist am Ende insofern völlig egal, als es sich in beiden Fällen um echte Tonkünstler handelt.

Was zuerst die Nassauer tonArt-Sänger unter Beweis stellten: Mit dem „Benedictus“ von Josef Rheinberger stieg der 2002 gegründete Chor, der im kulturellen Leben der Verbandsgemeinde Nassau und darüber hinaus längst eine nicht mehr wegzudenkende Rolle spielt, musikalisch überzeugend ins Geschehen ein. Punktgenaue Einsätze, saubere Intonation und eine enorme Ausdrucksstärke – der mit seinen 24 Sängerinnen und Sängern nicht übermäßig große, sich aber auf einem hohen musikalischen Niveau bewegende Chor punktete mit seinem ebenso technisch präzisen wie einfühlsamen, von großer Harmonie geprägten Vortrag. Das galt unüberhörbar auch für die anderen Beiträge, die sich tonArt für diesen Abend vor die Brust genommen hatten. Ob es sich mit „Locus Iste“ um eine Bruckner-Motette, mit dem teils kanonartig aufgebauten „Abendlied“ um eine zweite Komposition aus der Feder von Josef Rheinberger oder mit Joseph H. Jennings „Calling My Children Home“ um ein beeindruckendes Beispiel zeitgenössischer Musik handelte – bereits in diesem ersten, dem geistlichen Chorgesang vorbehaltenen Konzertblock überzeugten die Nassauer Tonkünstler auf ganzer Linie.

„Wir möchten Abwechslung bieten“, hatte Chorsprecher Thomas Diel in der Anmoderation ein zentrales Anliegen des Vereins beschrieben. Und das taten seine Mitsänger und er denn auch: Nach der Pause standen, um nur zwei Beispiele zu nennen, mit dem volksliedhaftem „A Maiden Is In A Ring“ von Hugo Alfven und dem lautmalerisch einsetzenden und im weiteren Verlauf zusehends jazzig werdenden „You Make Me Feel Like Dancing“ des zeitgenössischen Hamburger Komponisten Martin Carbow sehr unterschiedliche Beiträge auf der Agenda. Spätestens jetzt konnte kein Zweifel mehr daran bestehen, dass Achim Fischer, der den Chor vom Gründungsjahr an leitet, wieder einmal ganze Arbeit mit seinen Sängerinnen und Sängern geleistet hatte.

Apropos Achim Fischer: Er ist, über die Namensgleichheit hinaus, das verbindende Element zwischen den beiden Ensembles, stammt er doch aus einem Nachbarort von Hambuch und hat, welch ein Zufall, eine Schwester, die die Zweite Vorsitzende der dortigen Tonkünstler ist. Vor zwei Jahren wirkte tonArt Nassaubeim Jubiläumskonzert zum zehnjährigen Bestehen von TonArt Hambuch mit – jetzt kamen die Kollegen aus der Nähe von Kaisersesch zum Gegenbesuch. Und hatten ein ebenso spannendes, ähnlich „zweigeteiltes“ Repertoire wie ihre Gastgeber im Gepäck: Mit dem sehr beschwingt vorgetragenen Neuen Geistlichen Lied „Ein Licht in dir geborgen“ von Gregor Linßen eröffneten die Hambucher, die Anke Brengmann bei etlichen Beiträgen am Klavier begleitete, den ersten, überwiegend religiös geprägten Konzertblock. Zudem hatten sie mit Willam Byrds „Ave Verum“ ein beeindruckendes Stück Kirchenmusik aus dem 16. Jahrhundert und mit dem „Alleluja“ aus der Feder des US-amerikanischen Komponisten Gordon Young ein Lied ausgewählt, dessen Text sich auf ein einziges Wort, das „Alleluja“ eben, beschränkt – dieses Wort aber in immer neuen, schier unerschöpflichen Variationen weiterentwickelt und schließlich zu seiner vollen Entfaltung bringt. Toll, wie der 2007 von Daniel Brengmann gegründete und bis heute geleitete Chor diesen dynamischen Prozess zum Ausdruck brachte und veranschaulichte – kurz: wie er die stufenweise Steigerung vom zunächst noch leise und zart artikulierten bis hin zum abschließenden strahlenden „Alleluja!“ gesanglich zu transportieren verstand. Im zweiten, mehr der weltlichen Chormusik gewidmeten Konzertblock hatte Jutta Meiner, die Erste Vorsitzende von TonArt Hambuch, die gemeinsam mit Schriftführerin Christina Blatt die Moderation übernahm, dann vor allem Film- und Popmusik anzusagen, darunter aus dem im vergangenen Jahr in den deutschen Kinos gezeigten Musicalfilm „The Greatest Showman“ den Song „This Is Me“, der seine Wirkung nicht zuletzt mithilfe eines aparten Kontrastes zwischen Männer- und Frauenstimmen erzielte, und Enyas nicht minder beeindruckendes, sehr stimmungsvoll zu Gehör gebrachtes Lied „May It Be“ aus „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“. Zum Abschluss dieses Konzertteils ging es dann noch einmal strikt religiös zu: Mit „Baba Yetu“ erklang eindeutig ein Spiritual. Komponiert wurde dieser Spiritual allerdings, man glaubt es kaum, als Titelsong für ein Computerspiel.
Es war ein abwechslungsreiches Chorkonzert. Die hervorragende Akustik der Bonifatiuskirche tat ihr Übriges dazu, dass es noch lange in den Köpfen nachklang.

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Die hervorragende Akustik der Bonifatiuskirche machen sich die beiden Chöre zunutze, die nicht nur der ähnliche Name verbindet. 
Foto: Ulrike Bletzer